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Es ist nass. Klar, Wasser ist nass, aber ich merke es gar nicht. Ich bin ja drin. Und die sind alle draußen. Bunte Schatten, die vorbeihuschen. Manche groß, manche klein, manche dick, manche dünn. Ich kann sie nicht gut ausmachen, doch verfolge ihre Bewegungen und die Richtung in die sie gehen. Das Wasser verschleiert meine Sicht und doch sehe ich hier klarer als sonst. Ich sehe alles klar vor mir. Glasklar. Ich bin in meiner eigenen Welt, hier kann ich zur Ruhe kommen und meine Gedanken ordnen.

Die Menschen da draußen unterhalten sich, ich verstehe sie nicht, dafür höre ich andere Sachen. Geräusche, die sie nicht wahrnehmen. Hier untern trägt der Ton viel weiter als da Oben. Und ich höre ihn schneller als ihr. Alles ist etwas gedämpft. Ich kann die Geräusche und Töne nicht orten. Ein Quietschen, ein Blobb und ein tiefes Plonk. Das Geräusch kann ich orten. Da ist jemand vom Zehn-Meter-Turm ins Wasser gesprungen. Aber nun muss ich auftauchen, mir geht die Luft aus.

Auch wenn viele meiner Kindheitserinnerungen verschwommen sind, der Augenblick ist mir noch ganz klar in Erinnerung geblieben. Meine erste Schwimmerinnerung -gut, eher Taucherinnerung, ich konnte noch nicht Schwimmen. Ich war noch ganz jung und von da an, konnte meine Eltern mich kaum mehr aus dem Wasser bekommen. Meine Eltern nahmen mich jedes Wochenende mit ins Schwimmbad, im Sommer dann auch mal ins Freibad. Als ich zum ersten Mal den anderen Beckenrand ohne Hilfe erreicht hatte, bezeichnete ich mich selbst stolz als „Schwimmer“.

Danach machte ich alle Abzeichen: Seepferdchen, Bronze, Silber, Gold. Doch Schwimmen blieb fuer mich immer nur eine Freizeitaktivität bis ich an die Oberstufe kam, da wollte ich mehr ausprobieren. Wollte meine Schmerzgrenze austesten, sehen wie schnell ichschwimmen kann und wie lange ich durchhalte, möglichst jeden Tag. Es war anstrengend. Es war auszehrend, doch ich wurde schneller und besser. Nach der Schule machte ich beim DLRG mit, um mich auf mein angestrebtes Rettungsschwimmerdasein vorzubereiten, doch musste das zeitintensive Training bald wegen Familie und Beruf einstellen. Heute springe ich nicht nur gerne mit meinen Kindern im Sommer ins kühle Nass und bringe ihnen das Schwimmen bei, sondern schwimme selbst noch leidenschaftlich gerne und fordere meine alten Rekorde für mich selbst heraus.

Und was sonst machen außer Kacheln zählen?

Beim Rückenschwimmen in einer Badehalle lassen sich natürlich auch hervorragend die Wand- und Deckenkacheln des Bades zählen, doch ist Schwimmen als Hobby und Sport so vielseitig. Genau darum liebe ich es und wollen unsere Faszination hier mit euch teilen. Es ist ein fantastischer Sport. Es kann Leben retten, hält fit und es ist für jeden etwas dabei.
Bahnen schwimmen, große Distanzen schwimmen, Ausdauerschwimmen, Wettkampfschwimmen, Kraulen, Brustschwimmen, Rückenschwimmen, Rettungsschwimmen, Schwimmen im Hallenbad, im See oder im offenen Meer mit Wellen und Strömungen: die Möglichkeiten sind unendlich.

Wenn du schon einmal Schwimmen gegangen bist, wirst du wissen, dass sich Bewegungen im Wasser noch einmal ganz anders als an Land anfühlen. Im Wasser bewegst du dich in einer nochmals komplett anderen Materie. Demnach ist es egal, wie fit oder athletisch du im Trockenen bist, im Wasser nimmt alles noch einmal andere Dimensionen an: andere Widerstände, andere Bewegungsabläufe.

Im Wasser schwimmen wir alle auf einer Wellenlänge.